Nothing Phone (3) im Test: Das Flagship, das keines ist
Fazit in Kürze
Beim Design, der Verarbeitung, dem Akku und vor allem der Kamera ist das Nothing Phone (3) ein echtes Flagship. Prozessor, Displayglas und Update-Garantie sind es nicht. Mit 799 € UVP ist es Jen zu teuer, bei etwa 500 € wäre es ein richtig tolles Smartphone.
Tops
- Vier 50-Megapixel-Kameras (Haupt, Periskop-Tele, Ultraweitwinkel, Front)
- Videos in 4K 60 FPS mit natürlicher Hintergrundunschärfe
- 5.150-mAh-Akku, 65 Watt Laden, 15 Watt kabellos inklusive Reverse Charging
- Nothing OS 3.5 mit individuellem Design und Widgets
- Transparentes Case im Lieferumfang
Flops
- Glyph Matrix auf der Rückseite wirkt wie ein Gimmick, Selfie-Vorschau nur umständlich nutzbar
- Snapdragon 8s Gen 4 statt Snapdragon 8 Elite
- Nicht das beste Displayglas
- 5 Jahre OS-Updates, weniger als bei Samsung und Google
- Fotos im Format 9:16 oder 16:9 nur mit 12 Megapixeln
- 799 € UVP sind zu teuer
Nothing hat mit dem Phone (3) nach zwei Jahren endlich ein neues Flaggschiff-Smartphone gebracht. Es kostet in der Basisversion mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher 799 € und damit 150 € mehr als der Vorgänger. Nach zwei Jahren Entwicklung hätte ich ein richtiges Upgrade erwartet. Der große Knall blieb aus, dafür gibt es ein paar wilde Entscheidungen.
Design: Glyph Matrix statt leuchtender Rückseite
Nothing war immer für das transparente Design und die leuchtenden Glyphen auf der Rückseite bekannt. Die sind jetzt weg. Stattdessen gibt es ein rückseitiges Mini-LED-Display, die Glyph Matrix, und einen zusätzlichen Touch-Button, mit dem man zwischen den Funktionen wechselt. Ich nenne sie bewusst Gimmicks: Akkustand, Wasserwaage, Schere-Stein-Papier und Flaschendrehen.
Sinnvoll ist höchstens die pixelige Selfie-Vorschau für die Hauptkamera. Aber nur außerhalb der Kamera-App: Man muss die App verlassen, die Vorschau über den Button aktivieren und kann dann nur per langem Druck ein Foto machen. Das ist umständlich. Den Button muss man außerdem immer suchen, weil man ihn nicht fühlt. Ich hoffe, dass ein Update das verbessert.
Das transparente Design gefällt mir weiterhin sehr gut. Das schwarze Modell finde ich schöner, aber die Fingerabdrücke darauf sind von einem anderen Planeten, deshalb bin ich mit der weißen Version ganz happy. Im Lieferumfang liegt ein dünnes, gut sitzendes transparentes Case. Neu ist außerdem ein rotes Viereck, das bei Videoaufnahmen leuchtet. Es sieht gut aus und zeigt auch dem Gegenüber, dass gefilmt wird.
Die Anordnung der Kameras sieht aus, als hätte man sie gewürfelt. Auffallen tut sie auf jeden Fall.
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Kamera: richtig gut
Es gibt viermal 50 Megapixel: Hauptkamera, Periskop-Telekamera, Ultraweitwinkel und Frontkamera. So eine Ausstattung haben nicht einmal Samsung-Flaggschiffe. Fotos, Porträts und Makroaufnahmen finde ich richtig gut. Man sieht für einen Moment, dass die Bilder nachträglich per KI verbessert werden, aber solange sie natürlich aussehen, ist das für mich völlig in Ordnung.
- Zoom: bis zu 60-fach, ab 30-fach schaltet sich der AI Super Zoom ein.
- Video: 4K mit 60 FPS mit der Hauptkamera, 4K mit 30 FPS mit der Frontkamera. Die Aufnahmen sind flüssig, scharf und haben eine schöne natürliche Hintergrundunschärfe.
- Kritik: Fotos im Format 9:16 oder 16:9 gehen nur mit 12 Megapixeln. Bei 50 Megapixeln wird im Format 4:3 aufgenommen. Das nervt mich als Content Creator, vielleicht ist es ein Bug.
Display und Software
Das Display ist 6,67 Zoll groß, hat dünne Ränder, eine sehr hohe Auflösung, 120 Hz und bis zu 4.500 Nits. Das Displayglas ist nicht das beste. Der optische Fingerabdrucksensor sitzt recht tief und funktioniert genau, aber nicht immer zu 100 %.
Nothing OS 3.5 basiert auf Android 15 und ist im Kern Stock-Android. Man kann das Design komplett im Nothing-Stil einstellen, mit Widgets und Icons im Nothing-Look. Dabei verlieren die Apps ihre Farben, daran muss man sich gewöhnen. Ich finde es richtig cool. Farbige Apps lassen sich auch einstellen.
Bei der KI gibt es alle Google-Funktionen mit Gemini und Circle to Search. Nothing arbeitet an einem eigenen KI-Modell, das sich derzeit auf den Essential Space beschränkt. Den gab es schon beim Phone (3a) und (3a) Pro. Über den Essential Key an der Seite macht man einen Screenshot, eine Sprachaufnahme oder öffnet den Essential Space. Dort landen die Aufnahmen, und die KI fasst sie zusammen, bei Sprachaufnahmen zum Beispiel als Übersicht der erwähnten Aufgaben, auch als Benachrichtigung auf dem Sperrbildschirm. Für Analysen stehen 100 Minuten frei, was danach passiert, weiß ich nicht.
Ich finde den Essential Space unübersichtlich. Und weil der Essential Key dort sitzt, wo bei anderen Smartphones die Powertaste ist, habe ich schon aus Versehen etwa 12.000 Screenshots dort gespeichert.
Akku, Laden und Updates
- Akku: 5.150 mAh.
- Laden: 65 Watt, in 20 Minuten von 0 auf 50 %. Zum Vergleich: Samsung bietet nur 25 Watt. Kabellos sind es 15 Watt, dazu kommt Reverse Wireless Charging.
- Weiteres: IP68 und Wi-Fi 7.
- Updates: 5 Jahre OS-Updates und 7 Jahre Sicherheitsupdates. Das ist weniger als bei Samsung und Google. Aus meiner Sicht ist das in Ordnung, denn bis Android 20 vergeht noch viel Zeit.
Prozessor: kein Flagship-Niveau
Im Phone (3) steckt der Snapdragon 8s Gen 4, kein Snapdragon 8 Elite wie bei den Konkurrenten in der gleichen Preisklasse. Das ist kein Flagship-Niveau, auch wenn im Alltag alles flüssig läuft. Ich frage mich, wie lange der Prozessor bei der rasanten KI-Entwicklung noch mithalten kann.
Fazit
Beim Design, bei der Verarbeitung, beim Akku und vor allem bei der Kamera ist das Nothing Phone (3) ein richtiges Flaggschiff. Beim Prozessor, beim Displayglas und bei der Update-Garantie ist es keins. Es ist ein cooles, edgy Smartphone, das aus der Masse heraussticht. Man muss sich aber bewusst sein, dass man hier kein Flaggschiff kauft, egal wie oft Nothing das Wort benutzt. Dazu kommen viele Knöpfe, an die man sich gewöhnen muss.
799 € für die Basisversion sind viel zu teuer. Wenn der Preis in Kürze bei etwa 500 € liegt, ist es ein richtig tolles Smartphone von einem Hersteller, von dem wir noch einiges erwarten können.
Fragen und Antworten
- Was kostet das Nothing Phone (3)?
- Die Basisversion mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher kostet 799 € UVP und damit 150 € mehr als der Vorgänger. Jen findet das zu teuer.
- Ist das Nothing Phone (3) ein echtes Flagship?
- Nur teilweise. Design, Verarbeitung, Akku und Kamera sind Flagship-Niveau, Prozessor, Displayglas und Update-Garantie nicht.
- Wie schnell lädt das Nothing Phone (3)?
- Mit 65 Watt kabelgebunden von 0 auf 50 % in 20 Minuten. Kabellos lädt es mit 15 Watt und kann andere Geräte per Reverse Wireless Charging laden.
- Wie lange bekommt das Nothing Phone (3) Updates?
- Nothing verspricht 5 Jahre Betriebssystem-Updates und 7 Jahre Sicherheitsupdates.